Versorgung verstehen
.Interview mit Thorsten Bröske.

Thorsten Bröske Interview

Als diplomierter Sozialwissenschaftler und gelernter Sozialversicherungsfachangestellter weiß Thorsten Bröske, wie gute Versorgung funktioniert. Seit über 20 Jahren ist er im Gesundheitswesen aktiv – mit Stationen in den USA, am Fraunhofer Institut IPA und bei der AOK. 13 Jahre davon war er verantwortlicher Vorstand für die Bereiche Vertrags,- Versorgungsund Leistungswesen bei der Schwenninger Krankenkasse, die zu den Top 20 der bundesweit geöffneten Krankenkassen zählt. Seine große Erfahrung darin, Qualität und Kosten von Gesundheitsleistungen zu managen und Angebote für eine bessere Versorgung zu entwickeln, nutzt er nun als Geschäftsführer von versorgung.plus.

Herr Bröske:
Warum braucht Deutschland ein .plus an Versorgung?

Als Gründer der versorgung.plus habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, insbesondere die Versorgung aus Sicht des Patienten zu verbessern. Dabei profitiere ich vor allem von meinen Erfahrungen als ehemaliger Kassenvorstand. Am Markt existiert bereits eine große Palette an Versorgungskonzepten, die allerdings meist unzureichend auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten eingehen und somit die Versorgungspotentiale aus Sicht des Patienten nicht genug beleuchten. Genau diese Möglichkeiten möchte ich gerne aufzeigen und optimieren, um den bestmöglichen Patienten-Nutzen in den Vordergrund der integrierten Versorgung zu stellen.

In welchen Behandlungssektoren gibt es am meisten Handlungsbedarf?

Insbesondere der Bereich der wohnortunabhängigen Versorgung spielt in Zeiten des demographischen und soziokulturellen Wandels eine wichtige Rolle für Patienten. Dabei wurden die Möglichkeiten zur Nutzung telemedizinischer Infrastrukturen in den letzten Jahren ausgebaut und gesetzlich bestärkt. Auch das stetig steigende Angebot digitaler Gesundheitsanwendungen zeigt das fortwährende Interesse aller Beteiligten im Gesundheitsmarkt an der Etablierung wohnortungebundener Versorgungslösungen.
Neben diesen unterstützenden Innovationen und Versorgungsmöglichkeiten ist der ambulante Bereich auch weiterhin ein wichtiger Fokus für integrierte Lösungen. Das seit Januar dieses Jahres vorliegende BSG-Urteil zum ambulanten Operieren ermöglicht das Neudenken innovativer Versorgungsideen im Einklang mit bereits etablierten Behandlungsmöglichkeiten im ambulanten Sektor. Weiterhin weisen die Hochkostenbereiche wie die Ausgaben für Arzneimittel bei den Krankenkassen einige Kostenminimierungspotentiale auf und sind insbesondere im Zusammenhang mit integrierter Versorgung und der Vernetzung der verschiedenen Sektoren essentiell.

Thorsten Bröske Interview Q&A

Sollen Selektivverträge Kollektivverträge ergänzen oder ersetzen?

Selektivverträge werden und können Kollektivverträge niemals ersetzen. Die integrierte Versorgung unterstützt und ergänzt vielmehr die Regelversorgung und versucht, bestehende Versorgungsmöglichkeiten zu ergänzen und im besten Fall zu optimieren. Insbesondere die verbesserte Vernetzung der
Behandlungssektoren steht dabei im Mittelpunkt dieser vertraglichen Ergänzungsmöglichkeit für die Krankenkassen.

„Versorgung braucht Fortschritte, keine Umwege.“

Wie wollen Sie eine verbesserte Patientenversorgung im gesamten Bundesgebiet bewerkstelligen?

Es muss vielleicht nicht immer das gesamte Bundesgebiet sein. Insbesondere in den Großstädten ist eine durchgängige Versorgung unter Einbezug der Fachärzte gegeben. Die strukturschwachen Regionen hingegen benötigen häufig Möglichkeiten zur Versorgungsverbesserung, da hier die Anzahl,
Erreichbarkeit und Vernetzung der Fachärzte oftmals nicht für eine ausreichende Versorgung reicht. Das bedeutet, regionale Projekte sind oftmals die nächstliegende Lösung. Allerdings sollten gut etablierte Versorgungsmöglichkeiten im Anschluss sukzessive auf weitere regionale Gebiete ausgerollt und in der finalen Phase auch übergreifend angeboten werden.

Kann ein junges Unternehmen wie Ihres eine solche Mammutaufgabe überhaupt meistern?

Ich bin da ganz zuversichtlich! Denn durch die Kooperation mit der BFS health finance stehe ich dieser Herausforderung nicht alleine gegenüber, sondern greife im Bereich der selektivvertraglichen Abrechnung auf bereits seit Jahren gewachsene Strukturen und bestehendes Know-how zurück. Hinzu kommen meine eigene GKV-Vergangenheit und ein großes Netzwerk an früheren Wegbegleitern und Partnern.

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Apropos junges Unternehmen: Welche Rolle spielt die Digitalisierung in der Verbesserung der Patientenversorgung?

Die Digitalisierung spielt derzeit im Gesundheitswesen noch nicht die Rolle, die sie eigentlich einnehmen sollte. Wie in vielen anderen Bereichen befindet sich Deutschland auch im Gesundheitsbereich noch ein wenig im Dornröschenschlaf. Allerdings wurde in dieser Legislaturperiode, sicherlich auch bedingt durch die Corona-Pandemie, vieles gesetzlich angeschoben. Dieses muss nun, was die Telematik-Infrastruktur angeht, durch die gematik mit Leben gefüllt werden. Auch die Interoperabilität verschiedener Kernsysteme wie z.B. Praxis-Software, Apotheken-Software, Krankenhausinformations-Systeme und die Anbindung an Abrechnungsdienstleister und andere müssen endlich angegangen werden, um unter Berücksichtigung des Datenschutzes ein durchgängiges, papierloses Informationssystem zu nutzen.

„Wir wollen Deutschland zum Innovationsstandort für Patientenversorgung machen.“

Wie können Sie garantieren, dass alle Prozesse datenschutz- und gesetzeskonform ablaufen?

Das garantiere ich dadurch, dass jeder Prozess, der in einem neuen Konzept überlegt und umgesetzt wird, eng von meinen Datenschützern begleitet und gemeinsam abgestimmt wird. Man kann sich im Umgang mit Sozialdaten ein Datenleck nicht erlauben.

Planen Sie auch Selektivverträge für privat Versicherte?

Ja! Durch das GPVG (Gesetz zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung und Pflege) ist es nun auch möglich, Selektivverträge mit PKVen zu schließen. Ich bin hierzu schon mit einigen Privaten Krankenversicherungen in aussichtsreichen Gesprächen und stoße dabei auf reges Interesse.

Wie sieht für Sie die Zukunft der Versorgung aus?

Die Versorgung muss zukünftig schneller, besser, innovativer und vor allem kosteneffizienter gestaltet werden. Wenn wir das nicht schaffen, werden wir aufgrund des demografischen Wandels zukünftig die derzeit bestehende Versorgungsqualität nicht mehr halten und uns insbesondere Versorgungsinnovationen nicht langfristig leisten können.

Die in den Interviews von den Interviewpartnern geäußerten Rechtsmeinungen sind nicht zwingend die der versorgung.plus GmbH, sondern entsprechen den persönlichen rechtlichen Überzeugungen der Befragten.

Noch Fragen?
Ich bin für Sie da.

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